creative constraints

Sechs kreative Einschränkungen für bessere Fotos

In der heutigen digitalen Konsumgesellschaft sind wir daran gewöhnt, immer mehr zu haben, zu wollen und zu bekommen: Internetgeschwindigkeiten von 400 Mbits/s und mehr, unendlich viel Speicherplatz in der Cloud, tausende von Filmen auf Netflix und Amazon für 10€/Monat, etc.

In der Fotografie ist es nicht anders: die Kamerahersteller bringen neue Kameramodelle jede paar Monate, mit mehr Megapixeln, besseren Sensoren, integriertem WLAN, 4K-Video, usw… Es wird damit beworben, dass je mehr Features unsere Kameras haben, umso besser werden unsere Fotos. Anders gesagt: je mehr Freiheiten wir haben, umso kreativer werden wir. Und da stimme ich nicht überein… Ich denke eher, genau das Gegenteil ist der Fall: Je mehr Einschränkungen wir haben, umso kreativer werden wir.

Was sind kreative Einschränkungen (creative constraints)?

Stell Dir vor du hast eine Kamera mit einem Zoom-Objektiv und kriegst folgende Aufgabe: “Geh raus und mach gute Fotos.” Die Aufgabe ist natürlich sehr sehr sehr allgemein und gleichzeitig auch sehr schwer. Warum? Weil du eben alle Freiheiten hast. Du würdest dann rausgehen und dich ständig fragen “Was zur Hölle soll ich denn jetzt fotografieren?”

Was würde aber passieren, wenn die Aufgabe folgendermaßen lauten würde: “Geh raus, setzt das 50mm-Objektiv auf, stell die Blende auf f/2.5 und fotografiere menschliche Silhouetten in Schwarzweiß. Ah, und du darfst maximal 36 Fotos machen.” Wahrscheinlich würdest du erstmal denken “Geil, jetzt darf ich gar nicht frei denken.”, aber glaub mir, nach einer halben Stunde würdest du ganz anders denken und auf ganz neue Ideen kommen.

Genau das sind kreative Einschränkungen: Einschränkungen, die dazu führen, dass wir auf neue Lösungen, durch neue Lösungswege kommen. Übrigens, ich habe mir das ganze nicht ausgedacht: es ist eine der Kreativitätstechnik des “Laterales Denken” (Edward de Bono hat diesen Begriff in 1967 eingeführt).

Ich teile kreative Einschränkungen in der Fotografie in (mindestens) zwei Kategorien auf: Kompositionseinschränkungen und technische Einschränkungen. Hier findest du insgesamt sechs Einschränkungen, mit denen du anfangen kannst.

Kompositionseinschränkungen

Diese beziehen sich auf die Art und Weise, wie du deine Bilder komponieren sollst und werden dir nicht nur dabei helfen, bessere Fotos zu machen, sondern auch die Welt anders zu sehen.

1: Frame in Frame/Framing

Frame in Frame/Framing

Frame in Frame/Framing

Such nach Elementen und Formen, die du in den Vordergrund deiner Szene nutzen kannst, um die Aufmerksamkeit des Betrachters auf dein Hauptmotiv zu lenken. Ich finde, das kreiert eine sehr besondere Atmosphäre und eine tiefere Bedeutungsebene auf Bildern.

2: Diagonale

Diagonale

Diagonale

Versuch nur Linien zu Fotografieren, die eine Diagonale durch deine Komposition bilden. Oder ordne deine Subjekte so an, dass diese eine Diagonale ergeben. Gerade Linien sind Synonym für Gleichgewicht und Ruhe, während Diagonale und schiefe Linien eher dynamische und unruhige Bilder schaffen.

3: Kontrast

Kontrast

Kontrast

Wahrscheinlich eins der wichtigsten Konzepten in der Fotografie: Kontrast. Eine Voraussetzung, sodass ein Element sich vom Hintergrund abhebt. Wenn ein Betrachter ein Foto ansieht, wird sein Blick sofort auf den Punkt des höchsten Kontrasts angezogen.

Technische Einschränkungen

Hier handelt es sich um Änderungen, die wir direkt an der Kamera vornehmen können, bevor wir anfangen zu fotografieren.

4: Feste Brennweite

Feste Brennweite

Feste Brennweite

Entweder du schraubst eine feste Brennweite an deine Kamera (35mm, 50mm, etc) oder du klebst ein Stück Panzertape auf dein Zoom-Objektiv. Dadurch, dass du nicht mehr reinzoomen kannst, wird sich dein Auge an den Sehwinkel von deinem Objektiv gewöhnen und du wirst deine Bilder viel schneller komponieren können. Gegebenenfalls wirst du näher an dein Motiv gehen müssen. Viele Fotografen (z.B. Henri Cartier-Bresson) haben ihr lebenslang mit nur einem Objektiv gearbeitet, was zu einem einzigartigen Stil beigetragen hat. Übrigens: Smartphones haben eine feste Brennweite.

5: Schwarzweiß-Modus

Schwarzweiß-Modus

Schwarzweiß-Modus

Die meisten Kameras und Smartphones haben einen Schwarzweiß-Modus. Schwarzweiß reduziert die Komplexität der Beziehung zwischen den Farben deines Motivs, indem diese nur auf ihren Luminanzwert reduziert werden. Dadurch wirst du dich auf das wesentliche konzentrieren können: deine Komposition. Stell den Schwarzweiß-Modus ein, bevor du die Fotos machst, und du wirst sehen.

6: 36 Fotos

36 Fotos

36 Fotos

Beschränke die Anzahl an Fotos, die du machst. Setze dir als Ziel, an einem Tag nicht mehr als 36 Fotos machen zu dürfen (oder kauf dir einfach eine Analogkamera und eine Filmrolle mit 36 Frames). Dadurch wirst du viel mehr darüber nachdenken, ob du das Foto machen solltest, oder nicht.

Es gibt natürlich viel mehr, aber ich denke, dass diese sechs ein guter Startpunkt sind. Das nächste Mal, wenn du fotografieren gehst, probiere es einfach aus! Kombiniere die Einschränkungen miteinander und fange an lateral zu denken!

Wir sehen uns Morgen beim kostenlosen Photowalk in Köln, mit den Themen “Street Photography & Creative Constraints”.

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